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Looks like the game never ends

Mein Freund ist eine Woche auf Geschäftsreise, also gehe ich mit meinen Freunden etwas trinken. Eigentlich wäre ich lieber zuhause geblieben, aber es war Freitagabend und mein Freund traf sich ebenfalls mit Freunden, ich hatte das Gefühl mithalten zu müssen. Also zog ich mich warm an und ging durch die Kälte in eine Bar. Meine Freunde standen bereits draußen und rauchten. Es waren nur Männer und zwei hatten ihre Freundinnen dabei. Ich verstand mich schon immer besser mit Männern. Eigentlich ist das gelogen. Ich bevorzugte Männer, weil sie mich anhimmelten und ich mich so mächtig fühlen konnte. Um so mehr Bier floss, um so mehr Komplimente bekam ich. „Du siehst wirklich gut aus, der Typ am Tisch neben uns starrt dich auch schon die ganze Zeit an“. „Wie gut du heute aussiehst“. „Du bist ein sehr hübsches Mädchen“. Einer nach dem anderen fiel um, sie waren Dominosteine. Eine der Freundinnen saß betrunken in der Ecke. Ihr Freund saß lieber neben mir.

Eigentlich war das immer mein Lieblingsspiel gewesen. Ich war gerne mächtig. Doch diesmal war es mir egal, es nervte mich sogar. Ich musste mich abhalten ständig auf mein Handy zu starren, musste mich abhalten ihm zu schreiben, dass ich ihn vermisste. Denn das tat ich. Höllisch. Und er hatte Spaß und vermisste mich nicht, zumindest nicht so sehr, dass er es mir gesagt hätte. Er schickte mir nur Bilder von Cocktails und verschwommene Gruppenbilder in rot und grün. Ich dachte immer Liebe tut nur weh, wenn sie kaputt geht. Um ehrlich zu sein, tat sie mir nie wirklich weh. In der Vergangenheit. Bei ihm tut es auch weh, wenn er da ist. Ich bin es nicht gewohnt so stark zu lieben, ich bin es gewohnt angehimmelt, vergöttert zu werden. Nie war ich die Person, die leiden musste. Ich richtete nur Leid an. Dann geschieht es mir wohl recht.

„Und bist du immer noch mit deinem Freund zusammen?“ – „Ja, er ist nur gerade auf Geschäftsreise“-„Ah, aber ihr seid noch zusammen“-„Ja, warum?“-„Ah, just checkin“.

Ich langweile mich. Ich zwinge das Bier herunter, möchte mich amüsieren, so wie früher. Es schmeckt bitter, es macht mich etwas lustiger, jedoch nicht wie sonst. Mit dem Blondchen rede ich seit Monaten nicht mehr, weil sie mir jedes Mal vorwirft, dass ich einen Freund habe und sie nicht.

Looks like the game never ends.

 

 

Bloggen

Ich möchte nicht aufhören zu schreiben, zu „bloggen“. Ich haue alle drei Monate einen Eintrag raus und klammere mich trotzdem vehement an die Idee, dass ich blogge. Dabei tue ich es nicht. Aus einem eigentlich sehr guten Grund: ich fühle mich besser. All die Jahre und all das Schreiben hat tatsächlich geholfen. Ich habe mich mit meinen Problemen auseinander gesetzt. Ich habe das Essen und die soziale Phobie einigermaßen unter Kontrolle. Natürlich läuft es nicht immer gut, ich wanke oft über dem Abgrund und manchmal bin ich kurz davor abzurutschen. Aber eigentlich läuft es so gut, wie nie in meinem Leben.

Das Leben nimmt mehr Platz in meiner Welt ein. Ich schalte in meiner Freizeit kaum noch meinen Laptop an, weil ich es liebe mich mit Menschen zu treffen, Sachen zu unternehmen. In solchen Momenten fasse ich mein Handy nicht an, denn ich brauche keine zweite Welt, ich brauche keine Fotos von Momenten, ich brauche nur meine voller Aufmerksamkeit, um diese Momente voll und ganz in mich aufzunehmen.

Darum schreibe ich nicht mehr und wie viele andere sollte ich jetzt „Goodbye“ sagen oder den Blog deaktivieren oder sonstiges. Aber irgendwie kann ich das nicht. Ich will mir nicht die Möglichkeit nehmen doch noch zu bloggen. Ich will nichts ankündigen, was ich nicht versichern kann. Denn die Wahrheit ist, dass ich keine Ahnung habe, ob es nur eine Phase ist. Ob der Blog tatsächlich seine Zeit getan hat oder ob ich ihn schon ab nächster Woche wieder brauche. 90% der Blogger, die ich im Laufe der Jahre kennen gelernt habe sind verschwunden. Manche haben sich verabschiedet, andere haben nie wieder gepostet, wieder andere haben ihren Blog gelöscht. Ich vermisse sie immer noch und oft kommen sie mir in den Sinn oder Zitate von ihnen. Auch wenn es albern klingt. Sie waren ein Teil meiner Welt, ich habe täglich von ihrem Tagesablauf, ihren Gedanken gelesen. Nun sind fast alle weg, leben ihr Leben ohne Mitleser. Irgendwie kann ich das noch nicht.

„Dieser Blog war immer ein Spiegel meiner schlimmsten Momente,  trotzdem macht mich das Ausbleiben meiner Postings traurig, denn er war gleichzeitig auch eine Gefühlsschatztruhe, ein emotionales Tagebuch. Die ein oder andere Downloade und der in ihr entstehende Text kommt bestimmt, doch ihren vorrangigen Zweck hat diese Seite bereits erfüllt.

Sollte mein bester Freund auf dieser Welt, mein Mond seit bald drei Jahren diesen Post mit Verspätung irgendwann einmal lesen: Du leuchtest hell durch meine Dunkelheit. Ich will dich, für immer. Ich wünsche mir so sehr, dass du dich gerade in unserer gemeinsamen Wohnung befindest, wenn du das liest. Jeder Fehler hat mich zu dir geführt und deshalb würde ich jeden einzelnen davon jederzeit wiederholen. Ich liebe dich.“ – fallingstarsandexclamationmarks