Bloggen

Ich möchte nicht aufhören zu schreiben, zu „bloggen“. Ich haue alle drei Monate einen Eintrag raus und klammere mich trotzdem vehement an die Idee, dass ich blogge. Dabei tue ich es nicht. Aus einem eigentlich sehr guten Grund: ich fühle mich besser. All die Jahre und all das Schreiben hat tatsächlich geholfen. Ich habe mich mit meinen Problemen auseinander gesetzt. Ich habe das Essen und die soziale Phobie einigermaßen unter Kontrolle. Natürlich läuft es nicht immer gut, ich wanke oft über dem Abgrund und manchmal bin ich kurz davor abzurutschen. Aber eigentlich läuft es so gut, wie nie in meinem Leben.

Das Leben nimmt mehr Platz in meiner Welt ein. Ich schalte in meiner Freizeit kaum noch meinen Laptop an, weil ich es liebe mich mit Menschen zu treffen, Sachen zu unternehmen. In solchen Momenten fasse ich mein Handy nicht an, denn ich brauche keine zweite Welt, ich brauche keine Fotos von Momenten, ich brauche nur meine voller Aufmerksamkeit, um diese Momente voll und ganz in mich aufzunehmen.

Darum schreibe ich nicht mehr und wie viele andere sollte ich jetzt „Goodbye“ sagen oder den Blog deaktivieren oder sonstiges. Aber irgendwie kann ich das nicht. Ich will mir nicht die Möglichkeit nehmen doch noch zu bloggen. Ich will nichts ankündigen, was ich nicht versichern kann. Denn die Wahrheit ist, dass ich keine Ahnung habe, ob es nur eine Phase ist. Ob der Blog tatsächlich seine Zeit getan hat oder ob ich ihn schon ab nächster Woche wieder brauche. 90% der Blogger, die ich im Laufe der Jahre kennen gelernt habe sind verschwunden. Manche haben sich verabschiedet, andere haben nie wieder gepostet, wieder andere haben ihren Blog gelöscht. Ich vermisse sie immer noch und oft kommen sie mir in den Sinn oder Zitate von ihnen. Auch wenn es albern klingt. Sie waren ein Teil meiner Welt, ich habe täglich von ihrem Tagesablauf, ihren Gedanken gelesen. Nun sind fast alle weg, leben ihr Leben ohne Mitleser. Irgendwie kann ich das noch nicht.

„Dieser Blog war immer ein Spiegel meiner schlimmsten Momente,  trotzdem macht mich das Ausbleiben meiner Postings traurig, denn er war gleichzeitig auch eine Gefühlsschatztruhe, ein emotionales Tagebuch. Die ein oder andere Downloade und der in ihr entstehende Text kommt bestimmt, doch ihren vorrangigen Zweck hat diese Seite bereits erfüllt.

Sollte mein bester Freund auf dieser Welt, mein Mond seit bald drei Jahren diesen Post mit Verspätung irgendwann einmal lesen: Du leuchtest hell durch meine Dunkelheit. Ich will dich, für immer. Ich wünsche mir so sehr, dass du dich gerade in unserer gemeinsamen Wohnung befindest, wenn du das liest. Jeder Fehler hat mich zu dir geführt und deshalb würde ich jeden einzelnen davon jederzeit wiederholen. Ich liebe dich.“ – fallingstarsandexclamationmarks